Archiv: September 2007
Ich mache einen Einkaufsbummel durch die Stadt. Nur das ich diesmal nichts kaufe. Der Alptraum der Werbefachleute. Ich stelle sie mir beim Brainstorming im Konferenzraum hoch über der Dächern der Stadt vor.- Wie sie sich den Schädel vermartern, den Mund fusselig reden und sich die Frage stellen: Warum konnten wir diesen Kunden nicht überzeugen?
Langsam, schlendernd, schlurfend, bummelnd, bewege ich mich durch das hektische Treiben. Hin und wieder bleibe ich stehen, schaue in die Auslagen eines Schaufensters und beobachte Menschen bei ihrem Treiben. In einem Schuhgeschäft sitzt eine schlicht, aber edel gekleidete Dame und probiert Schuhe an. Mit kritischem Blick, im Geiste Schuhe und die Kleidung im Schrank abstimmend, dreht und wendet sie die Modelle. Dann Erleichterung in ihrem Gesicht. Ich habe nicht mitbekommen, wie sie zur Entscheidung gelangt ist. War’s der Preis, die Verbindung mit einer kürzlich gekauften Hose oder sind die Schuhe einfach nur zu schön, um sie einer anderen zu überlassen?
Befriedigt folgt sie der Verkäufern zur Kasse. Ich drehe mich um und will gerade meiner Wege ziehen, als ich beinahe in eine alte Frau renne. Sie macht keinen gepflegten Eindruck. –Stinkt erbärmlich! Mit einem dicken gebogenen Draht, fischt sie in einem Mülleimer nach etwas. Als ich schon ein paar Meter vorbei bin sehen ich was ihr Herz begehrte. Ein fetten Flachmann – nicht ganz ausgetrunken. Auch eine Art seinen Tag zu verbringen. – Prost!
Zufrieden und schon beinahe ein wenig selbstgefällig liege ich im Bett. Warm und kuschelig! Im Dunkel die Leuchtziffern des Radioweckers. Er zeigt 5:55 Uhr. Gleich ist es Zeit zum Aufstehen. Im Blogland gehen die Letzten ins Bett. Draußen hat es gestürmt und geschneit – vermute ich. Ein kalter Lufthauch weh durch das abgeklappte Fenster um meine Nase. – Viel mehr offeriert die Bettdecke nicht.
Neben mir die gleichmäßigen Atemzüge meiner Prinzessin. Ich halte den Atem an und lausche… Wie kann man so früh am Morgen schon so glücklich sein?
Da wird die Stille jäh durch lautes Motorengeräusch zerrissen. Der Hausmeister, dick eingepackt, hat seine Schneeräummaschine angeworfen und fährt den Gehweg entlang. Die Prinzessin stöhnt und räkelt sich widerwillig. Warum muss der Mann um 6:00 Uhr seiner Arbeit nachgehen? Die Traumgewordene Männerphantasie eines Traktors vor meinem Schlafzimmerfenster antesten? Er hätte noch gut zwei Stunden im Warmen sitzen bleiben, Die Bildzeitung lesen und Kaffeetrinken können.
Von irgendwoher weht Kaffeeduft und das Morgenmagazin des lokalen Radiosenders herüber. Die Toilettenspülung der Nachbarn rauscht und wieder einmal wünsche ich mich an einen fernen Ort. In ein Haus weit im Norden, wo nur die Schreie der Möwen und eine Meeresbriese in der Luft liegen.
Irgendwann einmal!


